Flüssigkeiten im Handgepäck und die neuen Scanner

Die Flüssigkeitsregel im Handgepäck ist seit Jahren bekannt und sorgt trotzdem regelmäßig für Streit an der Sicherheitskontrolle. Dazu kommt Verwirrung durch die neuen Computertomografie-Scanner, die an immer mehr Flughäfen aufgebaut werden. Zeitweise wurde sogar berichtet, dass die Grenze von 100 Millilitern fallen könnte. Der aktuelle Stand, den wir am 3. Oktober 2026 geprüft haben: In der EU sowie in Island, Norwegen und der Schweiz gilt weiterhin die Grenze von 100 Millilitern je Behälter, verpackt in einem durchsichtigen, wiederverschließbaren Beutel. Auch wenn an manchen Kontrollstellen moderne Scanner stehen, bleibt diese Regel für dich verbindlich, weil kein Flughafen flächendeckend ausgerüstet ist und dir niemand vorab sagen kann, an welcher Spur du kontrolliert wirst. In diesem Ratgeber erklären wir dir die Regel Schritt für Schritt, wie die Scanner funktionieren, welche Ausnahmen es für Babynahrung und Medikamente gibt und wie du unterwegs Ärger vermeidest.
Die Regel in der Praxis: 100 Milliliter und der Beutel
Die Kernregel ist schnell erklärt. Du darfst Flüssigkeiten nur in Behältern mitnehmen, die jeweils höchstens 100 Milliliter fassen. Entscheidend ist die Größe des Behälters und nicht die Füllmenge. Eine halb volle 200-Milliliter-Flasche ist deshalb nicht erlaubt, auch wenn nur noch ein kleiner Rest darin ist. Alle Behälter müssen zusammen in einen durchsichtigen, wiederverschließbaren Beutel passen, der sich ohne Gewalt schließen lässt. Pro Person ist ein solcher Beutel erlaubt. Du legst ihn an der Kontrolle separat in die Wanne, damit er einzeln geprüft werden kann.
Von der Regel erfasst sind nicht nur klassische Getränke, sondern alles, was flüssig, cremig, pastös oder gelartig ist. Dazu gehören Wasser, Saft, Parfüm, Zahnpasta, Shampoo, Lotion, Haargel, Mascara, Lippenpflege in Tiegeln, Aerosole, Rasierschaum, aber auch Lebensmittel wie Honig, Joghurt oder Marmelade. Wenn du bei einem Produkt unsicher bist, ob es als Flüssigkeit zählt, behandle es vorsichtshalber als solche.
Die Begründung der Regel ist die Gefahr durch flüssige Sprengstoffe. Weil sich diese Stoffe mit klassischen Röntgengeräten nicht zuverlässig von harmlosen Flüssigkeiten unterscheiden lassen, wurde die Mengenbegrenzung eingeführt. Sie gilt für die Kabine, nicht für den aufgegebenen Koffer. Im Koffer darfst du also größere Flaschen mitnehmen, sofern sie gut verschlossen und gegen Auslaufen gesichert sind. Wenn du nach der Sicherheitskontrolle eine Flasche kaufst, darfst du sie mit in die Kabine nehmen, denn sie stammt aus dem gesicherten Bereich. Beim Umsteigen in einen anderen Flughafen kann es aber erneut eine Kontrolle geben, bei der die Regel wieder greift. Bei Zweifeln am Fassungsvermögen hilft ein Blick auf das Etikett, auf dem die Menge meist in Millilitern angegeben ist.
Was CT-Scanner verändern und was nicht
Computertomografie-Scanner für Handgepäck erzeugen ein dreidimensionales Bild des Inhalts und können Stoffe genauer unterscheiden als herkömmliche Röntgengeräte. Der Vorteil für Reisende liegt darin, dass Flüssigkeiten und Laptops an vielen dieser Geräte im Gepäck bleiben können. Du sparst also das Auspacken und das Einsortieren in Wannen, und die Warteschlangen können kürzer werden. An einigen deutschen Flughäfen sind solche Geräte bereits im Einsatz, zum Teil in einzelnen Terminals oder an einzelnen Spuren, und der Ausbau läuft weiter.
Für kurze Zeit hatte die EU erlaubt, an Kontrollstellen mit solchen Scannern größere Behälter durchzulassen. Diese Lockerung wurde jedoch zurückgenommen, nachdem technische Mängel an bestimmten Gerätemodellen festgestellt wurden. Seit dem 1. September 2024 gilt in der EU wieder die 100-Milliliter-Grenze für alle. Nach unserem Rechercheergebnis zum Stand vom 3. Oktober 2026 ist diese Grenze weiterhin in Kraft, einen verbindlichen Termin für eine Aufhebung gibt es nicht. Wir empfehlen dir, vor jeder Reise auf der Seite deines Abflughafens oder bei der Bundespolizei nachzusehen, ob sich daran etwas geändert hat.
Wichtig ist der praktische Punkt: An einem Flughafen mit moderner Technik kannst du nie sicher sagen, ob du an einer Spur mit Scanner oder ohne landest. Außerdem wird bei Umstiegen oder Rückflügen von anderen Flughäfen unter Umständen mit anderen Geräten gearbeitet. Wer sich auf die neue Technik verlässt und zu große Behälter einpackt, riskiert, dass sie an einer klassischen Spur abgenommen werden. Pack deshalb immer nach der strengsten Regel, also nach der 100-Milliliter-Grenze, und freu dich, wenn die Technik dir Zeit spart. Verfolge die Meldungen von Flughäfen und Behörden, denn Änderungen werden dort zuerst bekannt gegeben und gelten dann einheitlich für alle Kontrollstellen des jeweiligen Flughafens.
Feste Kosmetik statt Beutel-Chaos
Wer häufig nur mit Handgepäck fliegt, fährt gut damit, die Kosmetik umzustellen. Festes Shampoo, Seifenstück, Deostift, Zahnputztabletten und Lippenpflege im Stift zählen nicht als Flüssigkeit, lassen sich ohne Beutel mitnehmen und laufen nicht aus. Der Beutel bleibt dann für wenige Dinge übrig, die sich nicht ersetzen lassen, etwa Parfüm oder Sonnencreme. Kennzeichne diese Behälter mit Etikett und Füllmenge, damit du bei Nachfragen sofort zeigen kannst, dass sie höchstens 100 Milliliter fassen. Und: Trinkflasche leer mitnehmen, hinter der Kontrolle füllen, schon sparst du dir das Wegschütten am Eingang.
Ausnahmen: Babynahrung, Medikamente und Diätprodukte
Die Regel kennt Ausnahmen für Flüssigkeiten, die du auf der Reise wirklich benötigst. Dazu gehören Medikamente in der für die Reise erforderlichen Menge, Babynahrung und Milch für Kleinkinder sowie spezielle Diätnahrung, etwa bei Unverträglichkeiten oder medizinisch notwendigen Ernährungsformen. Diese Flüssigkeiten dürfen die Grenze von 100 Millilitern überschreiten, sind aber nicht automatisch von der Kontrolle ausgenommen. Du musst sie an der Sicherheitskontrolle gesondert vorzeigen, und das Personal kann dich bitten, einen Nachweis zu erbringen oder die Flüssigkeit zusätzlich zu prüfen.
Bei Medikamenten hilft es, wenn du sie in der Originalverpackung mitführst und eine ärztliche Bescheinigung oder ein Rezept dabei hast. Die Menge sollte zur Dauer der Reise passen und nicht übertrieben groß sein. Für Insulin, Augentropfen oder flüssige Schmerzmittel solltest du zusätzlich in deinem Handgepäck einen Platz einplanen, an dem sie griffbereit sind. Wer auf Kühlung angewiesen ist, sollte mit der Airline und dem Flughafen vorab klären, wie das praktisch gelöst wird, und beachten, dass Kühlakkus selbst als Flüssigkeit gelten können, wenn sie nicht vollständig gefroren sind.
Bei Babynahrung gilt Ähnliches. Fertige Milchnahrung, Gläschen oder abgefülltes Wasser für die Zubereitung dürfen in angemessenen Mengen mit, wenn das Kind mitreist. Das Personal kann verlangen, dass du einen Schluck probierst oder die Verpackung öffnest, um die Harmlosigkeit zu zeigen. Plane daher mit etwas Zeit. Lass dich nicht verunsichern, wenn solche Kontrollen ungewohnt wirken, denn sie sind Teil des Verfahrens. Bleib freundlich, erkläre kurz, was du dabei hast, und halte die Sachen gesondert bereit. Ein Nachweis kann auch ein Beipackzettel oder ein Attest sein, solange erkennbar ist, dass das Produkt zu deiner Reise gehört.
Beutel, Packen und typische Fehler
Ein gutes Beutelsystem spart dir Zeit und Nerven. Der Beutel sollte durchsichtig sein und sich wirklich schließen lassen. Wenn die Zahnpastatube herausschaut oder der Verschluss nicht zugeht, wird er an der Kontrolle häufig beanstandet. Wähle deshalb eine Größe, in die du deine Behälter ohne Gewalt bekommst, und packe nicht mehr hinein, als hineinpasst. Der Beutel gehört nach ganz oben in den Rucksack oder in ein Außenfach, damit du ihn ohne Wühlen herausnehmen kannst.
Der häufigste Fehler ist ein zu großer Behälter mit kleinem Rest. Der Behälter selbst entscheidet, nicht die Füllmenge. Ein weiterer klassischer Fehler ist das Vergessen von Dingen, die man nicht als Flüssigkeit wahrnimmt: Lippenbalsam im Tiegel, Deocreme, Gel-Kissen, Sonnencreme oder eine Dose mit Brotaufstrich. Auch Getränke, die du am Eingang gekauft hast, etwa Kaffee oder Wasser, müssen vor der Kontrolle ausgetrunken oder entsorgt werden. Mit einer leeren Trinkflasche, die du hinter der Kontrolle befüllst, bist du auf der sicheren Seite.
Wenn du lange Strecken fliegst oder mit mehreren Personen reist, kann es helfen, einen Teil der Kosmetik in feste Produkte umzustellen: festes Shampoo, Seife, Deostift oder Zahnputztabletten. Sie zählen nicht als Flüssigkeit und sparen Platz im Beutel. Nachfüllbare kleine Behälter aus dem Reisebedarf sind eine Alternative, sollten aber als 100-Milliliter-Behälter gekennzeichnet sein, damit du eindeutig zeigen kannst, was sie fassen. Pro Person ist ein Beutel erlaubt, Eltern können für ihre Kinder jeweils eigene Beutel packen, wenn das Kind einen eigenen Platz und eigenes Gepäck hat. Wer mit kleinen Kindern reist, sollte außerdem überlegen, welche Pflegeprodukte unterwegs wirklich nötig sind und welche am Zielort nachgekauft werden können.
Duty free, Umstiege und Reisen außerhalb der EU
Wenn du im Duty-free-Bereich Getränke oder Parfüm kaufst, bekommst du die Waren in einer versiegelten, durchsichtigen Spezialtüte mit Kaufbeleg. Solange die Tüte intakt bleibt, kannst du die Ware im Handgepäck transportieren. Bei einem Umstieg ist Vorsicht geboten: Manche Flughäfen erlauben die Mitnahme versiegelter Tüten nur unter bestimmten Bedingungen oder verlangen eine erneute Kontrolle. Frag beim Kauf nach, ob die Ware für deine Route geeignet ist, und öffne die Tüte nicht vor dem Endziel. Der Beleg sollte sichtbar in der Tüte bleiben.
Auch außerhalb der EU unterscheiden sich die Regeln. Manche Länder haben ähnliche Beschränkungen wie die EU, andere sind lockerer oder strenger. Einige Flughäfen außerhalb Europas arbeiten mit eigenen Grenzwerten oder Verfahren, und bei Rückflügen aus Drittländern musst du dich nach den dortigen Regeln richten. Für Flüge aus den USA etwa gelten eigene Vorgaben der dortigen Behörden. Lies deshalb vor einer Reise die Hinweise des Abflug- und des Umsteigeflughafens.
Praktisch bedeutet das: Wenn du in einem Land mit anderen Regeln eingekauft hast und dann in der EU umsteigst, solltest du die Ware möglichst in den Koffer packen, wenn dieser bis zum Endziel durchgecheckt wird. Hast du nur Handgepäck, kann es sein, dass Behälter, die über 100 Milliliter fassen, beim Umstieg abgenommen werden. Für Reisende mit knappen Umsteigezeiten ist das ein Risiko, denn jede zusätzliche Kontrolle kostet Minuten. Plane Pufferzeit ein, und gib im Zweifel Flüssigkeiten lieber im Koffer auf, wenn du ohnehin aufgibst. Auch das Etikett hilft: Eine klare Beschriftung zeigt dem Personal sofort, was in den Behältern ist. Plane bei Umstiegen immer etwas Zeit für eine mögliche zweite Kontrolle ein.
| Fall | Regel |
|---|---|
| Behältergröße | Höchstens 100 Milliliter je Behälter, maßgeblich ist die Behältergröße |
| Verpackung | Ein durchsichtiger, wiederverschließbarer Beutel pro Person |
| Medikamente und Babynahrung | Mehr erlaubt, aber gesondert vorzeigen, Nachweis kann verlangt werden |
| Neue CT-Scanner | Ändern die 100-Milliliter-Regel aktuell nicht |
| Getränke nach der Kontrolle gekauft | Dürfen mit in die Kabine, bei Umstieg erneute Kontrolle möglich |
Checkliste
- Behälter mit höchstens 100 Milliliter Fassungsvermögen verwenden
- Alle Flüssigkeiten in einen durchsichtigen, schließbaren Beutel packen
- Beutel nach oben legen und an der Kontrolle separat vorzeigen
- Cremige und gelartige Produkte ebenfalls einpacken statt vergessen
- Medikamente in Originalverpackung mit Rezept oder Bescheinigung mitführen
- Babynahrung gesondert bereithalten und freundlich erklären
- Trinkflasche leer durch die Kontrolle nehmen
- Aktuellen Stand beim Abflughafen vor der Reise prüfen
Häufige Fragen
Gilt die 100-Milliliter-Regel noch?
Ja. Nach unserer Prüfung zum Stand 3. Oktober 2026 gilt in der EU sowie in Island, Norwegen und der Schweiz weiterhin die Grenze von 100 Millilitern je Behälter, verpackt in einem durchsichtigen, wiederverschließbaren Beutel. Eine kurzzeitige Lockerung bei Kontrollstellen mit CT-Scannern wurde im September 2024 zurückgenommen. Behörden können Regeln ändern, deshalb lohnt sich vor der Reise ein Blick auf die Seite der Bundespolizei oder deines Abflughafens. Behörden können das jederzeit anpassen.
Darf ich mit CT-Scanner mehr Flüssigkeit mitnehmen?
Nein, nicht verbindlich. Auch wenn an deinem Flughafen CT-Scanner stehen, bleibt die 100-Milliliter-Grenze für dich bestehen, weil nicht alle Spuren damit ausgestattet sind und niemand vorhersagen kann, wo du kontrolliert wirst. Die Scanner können dir allenfalls das Auspacken von Flüssigkeiten und Laptops ersparen. Wenn du größere Behälter dabeihast, riskierst du, dass sie an einer klassischen Spur abgenommen werden und entsorgt werden müssen. Verlass dich nicht auf Gerüchte aus sozialen Medien.
Darf ich Babynahrung und Medikamente in größeren Mengen mitnehmen?
Ja, für Babynahrung, Milch für Kleinkinder, Medikamente und medizinisch notwendige Diätnahrung gibt es Ausnahmen in der für die Reise erforderlichen Menge. Du musst diese Produkte jedoch an der Kontrolle gesondert vorzeigen, und das Personal kann einen Nachweis verlangen, zum Beispiel ein Rezept oder eine ärztliche Bescheinigung. Pack alles griffbereit und in der Originalverpackung, dann geht es meist schnell. Die Menge sollte zur Reisedauer passen. Eine Garantie auf reibungslosen Ablauf gibt es dabei jedoch nicht.
Was ist mit Getränken aus dem Duty-free-Shop?
Waren aus dem Duty-free-Bereich bekommst du in einer versiegelten Spezialtüte mit Beleg. Solange die Tüte unbeschädigt bleibt, darfst du sie im Handgepäck mitführen. Bei Umstiegen, besonders in Drittländern, können abweichende Regeln gelten oder eine neue Kontrolle stattfinden. Frag beim Kauf nach, ob deine Route problemlos ist, und öffne die Tüte nicht vor dem Endziel. Wenn du ohnehin Gepäck aufgibst, ist der Koffer die sicherste Wahl. Die Ware bleibt dann bis zum Endziel in der Tüte.
Fazit
Die Flüssigkeitsregel ist so alt, dass viele sie nur noch nebenbei beachten, und genau das führt zu den üblichen Ärgernissen am Kontrollband. Stand 3. Oktober 2026 gilt weiter: höchstens 100 Milliliter je Behälter, alle zusammen in einem durchsichtigen, schließbaren Beutel. Die neuen Scanner können das Kontrollverfahren angenehmer machen, ersetzen die Regel aber nicht, und weil du nicht vorhersehen kannst, an welcher Spur du landest, packst du am besten immer nach der strengsten Variante. Ausnahmen für Babynahrung und Medikamente gibt es, doch sie verlangen Vorbereitung und Geduld. Wenn du feste Kosmetik nutzt und die Trinkflasche leer mitnimmst, hast du schon das meiste gewonnen. Vor jeder Reise lohnt ein kurzer Blick auf die Hinweise der Bundespolizei und deines Flughafens, weil sich die Rechtslage ändern kann und die Meldungen darüber manchmal schneller kommen, als man denkt.
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Quellen und Stand
Zuletzt geprüft: 2026-10-03
Recherche und Pflege: Redaktion Fluggesellschaft.net.
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